Leerstand = „Strategische Landreserve“

RaBe Info Sendung zur Fabrikool Räumung

In der heutigen RaBe Info Sendung vom 15.05.2019 um 11:00 Uhr war die Räumung des Fabrikool eins der Schwerpunktthemen.

Im Interview zeigt sich Kantonsbaumeister Angelo Cioppi unfassbar grosszügig und kündet einen „Tag X“, einen Tag der offenen Tür an, an dem das Material von den Eigentümer*innen abgeholt werden könne – sofern sie sich ausweisen würden „und wenn sie denn nachweisen können, dass das Material ihnen gehört“. Anschliessend will er das Material „entweder entsorgen, oder verschenken, oder verkaufen, das ist jetzt noch offen“.

Dann gibt er auch noch zu, dass das Haus für den Kanton nichts weiter als eine „strategische Landreserve“ ist.

Aber hört es euch am besten selbst an:

Die vollständige Stellungnahme von Menschen aus dem Fabrikool-Kollektiv:

Das Fabrikool wurde gestern früh geräumt. Das heisst, das Gebäude wurde mit Enzian aufgebrochen, von den Behörden verbarrikadiert und vier Meter hoch eingezäunt, damit es nicht weiter belebt werden kann. Gewohnt hat dort zwar niemand – das Projekt lebt von den Menschen, die darin aktiv sind, den Ort als Treffpunkt nutzen und an unterschiedlichsten Ideen basteln. Für viele ist es aber nicht nur ein wichtiger Ort, sondern ein Zuhause. Auch neben den regelmässigen Öffnungszeiten, zum Beispiel in der Velowerkstatt Radau, in der Infothek Furia oder für veganes z‘mittag, ist immer etwas gelaufen. Oft wurde für Demos oder andere Anlässe gekocht, oft einfach nur so, aber immer für alle und immer auf Kollektenbasis, das heisst alle geben was sie können und mögen. Genauso in der Infothek, in den Werkstätten, bei Festen, Vorträgen, Bars, Konzerten: das Fabrikool richtet sich gegen Konsumzwang. Ein Raum also, in dem alle sein können, unabhängig von finanziellen Mitteln. Und damit ein Ort jenseits der kapitalistischen Leistungsgesellschaft, jenseits dessen, was die Möchtegernbesitzer Hebeisen+Vatter planen und jenseits der geplanten Stadtaufwertung und Verteuerung.
Dieser Raum wurde uns nun gewaltsam weggenommen. Das macht uns traurig. Es steckt enorm viel gemeinsame Arbeit in dem Haus, wir haben von Fenstern bis Küche alles selbst repariert, gebaut und angeschleppt. Wenn der Bund unser Haus ein „altes, verlottertes Holzgebäude“ nennt, kann damit nur der 15jährige Leerstand gemeint sein, bevor wir es uns genommen haben. Inzwischen gibt es eine grosse Sammlung von Maschinen, wie zur Holz- und Metallverarbeitung, eine Druckerei, eine teils mobile Küchenausstattung, einen selbstgebauten Pizzaofen und fast 2000 Bücher.

Diesen Raum haben uns die Befehlsempfänger des Staates zwar genommen, aber unsere Ideen kann uns niemand nehmen. Wir sind traurig, dabei zusehen zu müssen, wie unser Quartiertreffpunkt, unser Lebensraum, von Cops zerstört wird, wie sie nicht einmal davor zurückschrecken, zwei junge Menschen einzupacken und mitzunehmen, weil sie Fotos machen. Wie sie willkürlich Personen, die sich solidarisch mit dem Fabrikool zeigen, kontrollieren, festhalten, durchsuchen, belästigen. Wie der Kantonsverteter Beat Keller seinen Genuss kaum verbergen kann und das Velowerkstatt-Schild gleich eigenhändig abschraubt. Wie die Bäume und Sträucher rundherum einem vier Meter hohen Zaun weichen müssen. Wir sind traurig, dass die Kinder, die im Fabrikool einen Raum besetzt haben, von Leerstand, Betonwüsten und Konsumtempeln verdrängt werden. Dass kein Platz ist für riesige Spielplätze wie das Fabrikool einer ist, aber einer für alle, egal ob jung oder alt. Es macht uns betroffen, wenn die ganz Kleinen anfangen zu weinen angesichts der Räumung, und finden „jetzt können wir keine Feste mehr feiern im Fabrikool?“, wenn sie von klein auf mit der Gewalt des Staates konfrontiert werden.
Und all das macht uns vor allem eins: wütend.
Genauso breit wie das Gebäude belebt wurde, gestaltet sich der Widerstand. Das Bild vom militanten schwarzen Block allein auf weiter Flur, das Kanton und Bullen versuchen in den Medien von uns zu zeichnen, ist in der Realität keinen Meter haltbar. Das hat sich bei allen bisherigen Demos gezeigt und wir werden es diesen Freitag wieder zeigen, wenn wir um 18 Uhr von der Länggasse gemeinsam in Richtung Innenstadt laufen, um unsere Wut auf die Strasse zu tragen. Denn auch wenn für Neuhaus das Projekt abgeschlossen scheint, für uns ist es das noch lange nicht. Für uns ist nichts vorbei. Unser Widerstand ist nicht an das Gebäude gebunden, wir leben unseren Widerstand im Alltag. Das besondere am Fabrikool ist, alle Ideen und Methoden haben Platz – ausser es handelt sich um unterdrückende, diskriminierende Kackscheisse natürlich.

Alle können sich selbst überlegen, wie und mit welchen Mitteln sie das Fabrikool unterstützen möchten.

Diskussion: Fabrikool – Gestern, Heute, Morgen?

Das Projekt «Fabrikool» scheint vorerst Geschichte zu sein. Nach Kündigung des Gebrauchsleihvertrags durch das Kollektiv «Fabrikool» galt das Haus an der Fabrikstrasse 16 seit Anfang Mai wieder als besetzt. Der kantonale Baudirektor hatte bereits die Räumung angedroht, welche am Dienstagmorgen dieser Woche dann polizeilich durchgeführt wurde. Die Architekten Hebeisen + Vatter haben das Haus im Baurecht erworben und planen eine halböffentliche Nutzung des Gebäudes.

Wir wollen jetzt, zu diesem Zeitpunkt, einladen zum öffentlichen Austausch über das Haus, das vor zwei Jahren besetzt und belebt wurde. Welche Erfahrungen haben wir alle mit dem Fabrikool gemacht? Welche Art der Nutzung wünschen sich Menschen aus dem Quartier für dieses Haus? Welche Freiräume braucht es in der Stadt und existieren genug davon? Welche Erwartungen bestehen an die zukünftige Nutzung durch Hebeisen + Vatter?

In einer Runde auf Augenhöhe wollen wir uns über diese Fragen austauschen und schauen, wo die Diskussion hinführt, wenn wir uns gemeinsam an einen Tisch setzen.

Wann: Donnerstag, 16.05.2019, 18:30 Essen, 19:00 Start
Treffpunkt: vor dem Fabrikool, Fabrikstrasse 16

Wir freuen uns auf euer Erscheinen.

Herzliche Grüsse
Journal B

http://www.journal-b.ch/de/082013/alltag/3315/Diskussion-Fabrikool-%E2%80%93-Gestern-Heute-Morgen.htm

Medienmitteilung der Reitschule

Fabrikool – eine Oase der Quartiersolidarität wird verwüstet

Am Dienstagmorgen, den 14. Mai 2019, ist die Fabrikool plötzlich Geschichte. Die Polizei dringt morgens um 6.00 Uhr unangekündigt in die Zwischennutzung in der Berner Länggasse ein. Mit dabei: Die Anti-Terror-Einheit Enzian. Noch am selben Abend riegelt ein über vier Meter hoher Zaun das Fabrikool ab. Eine private Sicherheitsfirma ist ab sofort 24 Stunden vor Ort, um sicherzustellen, dass das Haus leer und ungenutzt bleibt.

Vor zwei Jahren hauchte das Kollektiv dem seit 17 Jahren leerstehenden Gebäude neues Leben ein. Eine Werkstatt und eine Bibliothek entstanden, es wurde gekocht, musziert und gelesen. Fahrräder wurden geflickt, Tauschbörsen fanden statt, Vorträge wurden gehalten. Das Fabrikool machte aus einer baufälligen Einöde eine Oase der Quartiersolidarität: Sie brachte die Bevölkerung der Längasse, die Studierenden des Von Roll-Areals und andere Besucher*innen zusammen. Und das alles abseits der kapitalistischen Normalität: Ohne Profitgier, ohne Kaufzwang, ohne Ausschluss von bestimmten Bevölkerungsgruppen.

Die Reitschule Bern solidarisiert sich mit den Engagierten der Fabrikool. Sie verurteilt die Räumung der Quartieroase durch die Kantonspolizei Bern und den Kanton Bern. Sie verurteilt, dass aus einem Treffpunkt für Jung und Alt ein Spekulationsobjekt gemacht und an den Meistbietenden verkauft wurde. Die Reitschule schüttelt den Kopf über die Heuchelei der Behörden, die das Gebäude zunächst Jahrzehnte lang verfallen liessen, dann den kreativen Besetzer*innen nachgaben – und nun auf Vorrat räumen, um einem profitorientierten Architekturbüro den Weg frei zu boxen.

Fortan werden also Zaun und private Sicherheitspatrouillen sein, wo früher Jugendliche kochten, Eltern und Kinder spielten und echte Quartiersolidarität gelebt wurde.

Demonstration für das Fabrikool: Freitag, 17. Mai 2019, 17.30 Uhr, Mittelstrasse, Bern.

Fabrikool-Solidemo

Diesen Freitag, 17. Mai // 17:30 Uhr Besammlung Mitte Mittelstrasse, Länggasse, Bern // 18 Uhr Demostart. Lärmutensilien und anderes mitbringen!

Bunte Demo offen für alle, ob jung, alt oder zwischendrin!

Heute Morgen, Dienstag 14. Mai ’19, wurde das Fabrikool geräumt und mit einem 4 Meter hohen Zaun abgeriegelt. Was gestern noch ein Quartiertreffpunkt war, ist heute ein Käfig. Das Gebäude steht nun also – nach zwei Jahren mit vielen Projekten und kreativer Belebung – wieder leer, so wie die vorherigen 17 Jahre auch schon.Die Menschen wurden aus dem Fabrikool vertrieben, deshalb gehen wir zusammen am Freitag auf die Strasse, gegen diese Vertreibungspolitik, für gemeinschaftlich organisierte Freiräume und Quartiere. Wir werden uns durch die Zerstörung solcher Treffpunkte nicht vereinzeln und spalten lassen, darum ziehen wir alle zusammen – Nachbarschaft & solidarische Menschen – durch die Stadt.

Jetzt erst recht!

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Artikel über Fabrikool:
Das Fabrikool wird geräumt

Auch der 2. Übergabetermin wird verstreichen…

„Ohni Fabrikool mues mis Härz gränne“

Mobivideo fürs Fabrikool

Demo für ein lebendiges Fabrikool

Fabrikool Räumung

+++News folgen auf barrikade.info und hier auf fabrikool.ch+++

Seit den frühen Morgenstunden wird das besetzte Haus Fabrikool in der Länggass in Bern von Vertretern des Kantons und Cops geräumt.
Das Gebäude ist grossräumig abgesperrt und von etwa 25 Grenmobs mit Hunden umstellt.
Rund um das Gebäude werden alle Bäume abgeholzt, ein Gerüst aufgebaut, alle Fenster mit Brettern von innen zugeschraubt und alles was sich draussen befand, von Pizzaofen über Trampolin bis Aussenküche, wird demontiert und reingeräumt.
Immer wieder wurden Cops mit Bolzenschneidern und Vorschlaghammern gesichtet, die sich eifrig im Gebäude an ihr zerstörerisches Werk machten.
Der überaus motivierte Kantonsvertreter Beat Keller ist natürlich persönlich vor Ort und ist sich nicht zu schade, beim Wegräumen mit anzupacken.
Viele solidarische Menschen – auch aus der Nachbar*innenschaft – sind vor Ort und beobachten das Geschehen. Den ganzen Morgen über wurden mehrere Leute Personenkontrollen unterzogen, es wurden Rayonverbote erteilt und zwei junge Menschen verhaftet, nachdem sie von einem Haufen Robocops durchsucht und festgehalten worden waren.
Nur weil die Behörden meinen, sich mal in Ruhe in unserem Haus austoben zu können, ist es noch lange nicht vorbei! Deshalb: Augen und Ohren offen halten, weitere Infos folgen.

Ps: Notiz von der Furia am Rande – den Büchern gehts gut in ihrem Exil 🙂 Solidarische Grüsse von eurer anarchistischen Infothek – auf die nächsten 50 Jahre!

Hier findet ihr den Original-Artikel und einige Bilder vom Vormittag: https://barrikade.info/article/2274

Auch der 2. Übergabetermin wird verstreichen…

Morgen, Montag 6. Mai, kündete das AGG (Amt für Grundstück und Gebäude des Kanton Bern) den zweiten Versuch einer Gebäudeübergabe an. Auch diesmal werden sie vor verschlossenen Türen stehen, wir werden das Fabrikool nicht übergeben. Das Haus wird genutzt, ist belebt und offen für die Nachbarschaft und interessierte Menschen, es gibt keinen Grund für eine Übergabe.

Weitere Infos über die aktuelle Situation, sowie Aktionen und Termine werden laufend hier publiziert.

Bis dahin gibt es viele Möglichkeiten, das Weiterbestehen des Fabrikools zu unterstützen:

-Solitranspis, -Fahnen, -Plakate etc.

-Hebeisen+Vater Botschaften zukommen lassen (hebeisen+vater architekten ag, Münzrain 4, 3005 Bern, T: +41 (0)31 357 26 26, info@hebeisen-vatter.ch

-andere selbstorganisierte und selbstbetsimmte Projekte, Orte aufbauen

-Vorbei kommen

-Botschaften in den Quartieren hinterlassen

-und vieles mehr…