Medienmitteilung der Reitschule

Fabrikool – eine Oase der Quartiersolidarität wird verwüstet

Am Dienstagmorgen, den 14. Mai 2019, ist die Fabrikool plötzlich Geschichte. Die Polizei dringt morgens um 6.00 Uhr unangekündigt in die Zwischennutzung in der Berner Länggasse ein. Mit dabei: Die Anti-Terror-Einheit Enzian. Noch am selben Abend riegelt ein über vier Meter hoher Zaun das Fabrikool ab. Eine private Sicherheitsfirma ist ab sofort 24 Stunden vor Ort, um sicherzustellen, dass das Haus leer und ungenutzt bleibt.

Vor zwei Jahren hauchte das Kollektiv dem seit 17 Jahren leerstehenden Gebäude neues Leben ein. Eine Werkstatt und eine Bibliothek entstanden, es wurde gekocht, musziert und gelesen. Fahrräder wurden geflickt, Tauschbörsen fanden statt, Vorträge wurden gehalten. Das Fabrikool machte aus einer baufälligen Einöde eine Oase der Quartiersolidarität: Sie brachte die Bevölkerung der Längasse, die Studierenden des Von Roll-Areals und andere Besucher*innen zusammen. Und das alles abseits der kapitalistischen Normalität: Ohne Profitgier, ohne Kaufzwang, ohne Ausschluss von bestimmten Bevölkerungsgruppen.

Die Reitschule Bern solidarisiert sich mit den Engagierten der Fabrikool. Sie verurteilt die Räumung der Quartieroase durch die Kantonspolizei Bern und den Kanton Bern. Sie verurteilt, dass aus einem Treffpunkt für Jung und Alt ein Spekulationsobjekt gemacht und an den Meistbietenden verkauft wurde. Die Reitschule schüttelt den Kopf über die Heuchelei der Behörden, die das Gebäude zunächst Jahrzehnte lang verfallen liessen, dann den kreativen Besetzer*innen nachgaben – und nun auf Vorrat räumen, um einem profitorientierten Architekturbüro den Weg frei zu boxen.

Fortan werden also Zaun und private Sicherheitspatrouillen sein, wo früher Jugendliche kochten, Eltern und Kinder spielten und echte Quartiersolidarität gelebt wurde.

Demonstration für das Fabrikool: Freitag, 17. Mai 2019, 17.30 Uhr, Mittelstrasse, Bern.